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Naturdenkmal am Banter See

Seit 1969 ist die Brutkolonie am Banter See als Naturdenkmal besonders geschützt. Ein Naturdenkmal ist gewissermaßen ein flächenmäßig kleines Naturschutzgebiet. Gut 50 Brutpaare haben hier damals gebrütet.

 

Die Brutkolonie ist als Naturdenkmal geschützt
Foto Maria Röbbelen

Trotz dieses Schutzstatus haben die Flussseeschwalben diesen Standort in den 1970er Jahren aufgegeben. Störungen durch Anlieger und rücksichtslose Wassersportler haben die Seeschwalben vertrieben. Für viele Jahre war dieser Brutplatz erloschen.

Seit Ende der 1960er Jahre brüteten Flussseeschwalben auf Betontrümmern in einem ehemaligen Hafenbecken „Dock 8“.  Bis in die 1980er Jahre war der Bestand auf etwa 60 – 80 Brutpaare angestiegen. Offensichtlich sind viele Flussseeschwalben vom Banter See dorthin umgezogen.

Auf diesen Betoninseln beim Dock 8 haben Flussseeschwalben viele Jahre gebrütet
Foto Peter H. Becker

1980 begann Peter Becker seine Untersuchungen über den Bruterfolg der Seeschwalben an der Nordseeküste. Dazu gehörte es, die Kolonie an Dock 8 wöchentlich zu kontrollieren und die Küken zu beringen. Er beobachtete, dass der steile Rand der Betoninseln für die Küken gefährlich war: Sobald sie ins Wasser fielen, hatten sie keine Chance mehr, wieder an Land zu krabbeln und ertranken. Auf seine Anregung hin zog die Stadt Wilhelmshaven einen Maschendrahtzaun um den Hauptbrutplatz. Seit dem haben sich die Überlebenschancen der Küken deutlich verbessert. Im Schnitt konnte jedes Brutpaar ein Küken in einer Brutsaison großziehen. Wie sich später im Laufe der Untersuchungen herausstellte, reicht dies aus um den Bestand der Kolonie zu erhalten.

Das Ende von Dock 8

Durch den Ausbau des Nordhafens drohte die Zerstörung dieses Brutstandortes. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden setzte sich das Institut für Vogelforschung dafür ein, den Brutplatz der Seeschwalben im Hafenberiech von Wilhelmshaven zu retten.

Als gefährdete Vogelart steht die Flussseeschwalbe unter besonderem Schutz: Das Naturschutzgesetz verbietet es, die Brutplätze seltener Arten zu zerstören. Ist dies nicht zu umgehen, muss der Verursacher Ersatz- oder Ausgleichsmaßnahmen ergreifen. In diesem Fall bedeutete dies, dass den Seeschwalben ein neuer Brutplatz angeboten werden musste. Ein Brutfloß in unmittelbarer Nähe zu bauen, stellte sich als zu teuer heraus. In 3 km Entfernung gab es im Banter See Betonmauerreste der ehemaligen Kaizunge im Zwischenhafen. Sie bildeten sechs in einer Reihe liegende Inseln. Hier hatten die Flussseeschwalben ja schon in den 1960er Jahren gebrütet.

Wenn Seeschwalben „freiwillig“ zu einem anderen Standort umziehen, dann müsste es doch möglich sein, sie dazu zu motivieren, es wieder zu tun. Voraussetzung war natürlich, dass künftig Störungen durch Menschen vermieden werden und die dortigen Nistmöglichkeiten verbessert wurden. Dazu wurden einige Baumaßnahmen ergriffen: Die Schmalseiten der „Inseln“ wurden mit Bohlen geschlossen, um das Eindringen von Wasser bei Wellengang zu verhindern, Maschendraht verhinderte auch hier das Abstürzen der Küken und die kleinen „Kanäle“ zwischen den Inseln wurden mit Balken versperrt, um sie für Kanufahrer unpassierbar zu machen. Schließlich wurden mehrere Tonnen Sand und Kies auf den Inseln aufgebracht – das perfekte Material für die bodenbrütende Seeschwalbe, die einen geeigneten Brutplatz sucht. Mitglieder des Kleingartenvereins und der Wassersportverbände wurden über die Bedeutung der Brutkolonie für den Erhalt der Flussseeschwalbe informiert und darum gebeten, Störungen zu vermeiden.

So sahen die heutigen Brutinseln 1983 aus
Foto Peter H. Becker

Alles war also bestens vorbereitet für die Brutsaison 1983. Bis zu vier Individuen beobachteten die Wissenschaftler auf der schönen, frisch hergerichteten Brutinsel – sie balzten und sie paarten sich, aber Eier legten sie nicht. Am Dock 8 dagegen brüteten 85 Paare – ein Rekord. Warum sollten sie auch umziehen – der Standort hatte sich aus Sicht der Flussseeschwalben bewährt: Jahr für Jahr hatten sie hier sehr erfolgreich Junge groß gezogen. Dazu kam, dass starke Regenfälle im Mai auf der neuen Insel Pfützen und nassen Sand hinterließen, so dass der Neubau wenig attraktiv als Brutstandort war. Mehr Kies und Sand, die vor der Brutsaison 1984 aufgebracht wurden, lösten dieses Problem.

Dann hat das Institut für Vogelforschung massiv für die neue Brutinsel geworben: Über Lautsprecher wurden die Klänge der Kolonie an Dock 8 vorgespielt. Dazu sollten 20 künstliche Seeschwalben in verschiedenen Körperhaltungen den Eindruck erwecken, dass sich hier schon Artgenossen niedergelassen hatten. Schon an anderen Standorten hatten solche Attrappen gute Wirkung gezeigt. Gleichzeitig hatte der bisherige Brutstandort im Dock 8 an Attraktivität verloren: Eine Landverbindung war geschaffen und es wurden große Mengen Schutt abgeladen.

Aber so leicht lässt sich eine Flussseeschwalbe nicht abhalten zu brüten. Kurz nachdem die ersten Flussseeschwalben aus ihrem Winterquartier zurück gekehrt waren, konnten die Wissenschaftler die ersten 12 Vögel bei Dock 8 beobachten – am neuen Luxusquartier dagegen war keiner zu entdecken. Das sollte sich in den darauf folgenden Tagen aber ändern. Immerhin 34 Gelege legten die Seeschwalben 1984 am Banter See. Verglichen mit den 80 Paaren, die es vorher am Dock 8 gab, war dies nur ein Teilerfolg. Viele Vögel versuchten weiter dort zu  brüten, obwohl die Eier durch die Landverbindung keine Chance hatten, ausgebrütet zu werden. Es muss sich unter den Seeschwalben wohl rumgesprochen haben, denn im darauf folgenden Jahr fanden die Wissenschaftler bereits 63 Gelege. Die Umsiedlung war erfolgreich!

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